150 Jahre Donauwalzer/Musik und Text

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Der Walzer wurde von Strauss in zwei Fassungen angefertigt: in Orchesterfassung und für Männerchor und Klavier als Chorwalzer. Polizeikommissar Josef Weyl, Hausdichter des Männergesang-Vereines, schuf den Text mit parodistischem Charakter und zeitkritischer Satire: "Wiener seid froh, Oho wieso...?". 1867 fand die Uraufführung der Chorfassung statt.

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Johann Strauss: An der schönen blauen Donau. Chorpartitur der Walzer Nr. 1 – 4 von der Hand Rudolf Weinwurms, Text und Korrekturen von Josef Weyl, [Jänner 1867]
Faksimile in: Johann Strauß und der Donauwalzer. Geschichte, Noten und Dokumente. Hg. Wiener Männergesang-Verein, Wien, [1993]
Privatarchiv Rubey (Originalmanuskript: Archiv des Wiener Männergesang-Vereins).

Die vorliegende Chorpartitur wurde von Weinwurm niedergeschrieben, nachdem Strauss eine eilig notierte Klavierbegleitung zur Einstudierung des Chores abgeliefert hatte. In welchem Ausmaß Weinwurm am hoch routinierten Arrangement des Chorsatzes beteiligt war, ist nicht bekannt. Strauss fehlte 1867 noch jegliche Erfahrung in der Vertonung von Texten. Deutlich ist sowohl der verworfene ursprüngliche Text „Fasching ist da“ als auch der Uraufführungstext „Wiener seid froh!“ zu erkennen.

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Johann Strauss: An der schönen blauen Donau. Chorpartitur des Walzers Nr. 5, eigenhändiges Musikmanuskript mit Texteintragungen auch von Rudolf Weinwurm und Josef Weyl, [Jänner 1867]
Faksimile in: Vorabdruck aus Serie I, Band 19 der Johann-Strauss-Gesamtausgabe, Doblinger, Wien, 1967
WBR, Mc-58069, Beilage (Originalmanuskript: Archiv des Wiener Männergesang-Vereins)

Eine eigenhändige Orchesterpartitur von Strauss muss als verschollen gelten. Neben Strauss’ vorliegender Chorpartitur zum fünften Walzer und seiner Klavierbegleitung zu den ersten vier Walzerteilen (Archiv des Wiener Männergesang-Vereins) sind keine weiteren Manuskripte aus Strauss’ Hand zur Entstehung des „Donauwalzers“ bekannt, auch keine Melodieskizzen. Anders lautende Meldungen, auch in jüngster Vergangenheit, sind falsch.

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Franz von Gernerth: Donau so blau
Erstniederschrift des Autors, [1889]
WBR, H.I.N.-228687

Weyl, Weinwurm und Strauss ging es darum, zu unterhalten und augenzwinkernd Missstände anzuprangern oder einfach einmal zu raunzen, wie es der Wiener Seele entspricht. Diese Absicht geht im Gernerth-Text verloren, ebenso wie die Genialität des Disputs im ersten Walzer. Zudem klingt mancher Reim holprig. Trotzdem überlebt gerade diese Beschwörung einer heilen Welt, wohingegen Weyls durchaus mit Nestroy vergleichbaren Verse nahezu vergessen sind. Die erste Aufführung erfolgte bei der Sommer-Liedertafel des Wiener Männergesang-Vereins am 2. Juli 1890 im Dreher-Park in Wien. Die Musikkapelle des Infanterie-Regiments Nr. 84, Freiherr von Bolfras, begleitete den Wiener Männergesang-Verein, vermutlich dirigierte Chormeister Eduard Kremser.

[Transkription]

Donau so blau,
Durch Thal und Au
Wogst ruhig du hin,
Dich grüßt unser Wien,
Dein silbernes Band
Knüpft Land an Land
Und fröhliche Herzen schlagen
An deinem schönen Strand.
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Wien, 1858–1867
WBR, Ia-159610

Penibel genaue Aufzeichnungen des Wiener Musikverlags Carl Anton Spina belegen die Ablieferung von Pflichtexemplaren neu erschienener Musikdrucke bei folgenden Institutionen: k. k. Ministerium des Inneren, Bibliothek der k. k. Obersten Polizei-Behörde, k. k. Polizei-Direktion, k. k. Staats-Anwaltschaft, k. k. Hofbibliothek und Wiener Universität Bibliothek. Am 15. Februar 1867 findet sich der Eintrag: „Strauss Joh. Op. 314 An der schönen blauen Donau Walzer 2/m, 19.216.“ Somit lag am Tag der Uraufführung die zweihändige Klavierausgabe des „Donauwalzers“ im Druck vor.

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