Konrad Lorenz

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Daten zur Person

Lorenz Konrad Zacharias, * 7. November 1903 Wien, † 27. Februar 1989 Wien , Mediziner, Verhaltensforscher, Zoologe.

Biografie

Herkunft und Ausbildung

Konrad Lorenz war der zweite Sohn von Emma Maria Lorenz, geborene Lechner und dem weltweit angesehenen Orthopäden Adolf Lorenz, der auch in den USA praktizierte. Er wuchs in Altenberg bei Wien auf, wo er die Volksschule besuchte. Ab 1915 war er Schüler des Wiener Schottengymnasiums, das er mit Auszeichnung abschloss. Anschließend begann er 1922 an der New Yorker Columbia University Medizin zu studieren, wechselte jedoch bereits 1923 an die Wiener Universität, wo er 1928 promovierte. In diesen Jahren heiratete er seine Studienkollegin Margarethe Gebhardt, deren Einkommen als Ärztin ihm später seine Studien ermöglichte. Das Paar hatte zwei Kinder - Thomas und Agnes Lorenz. 1928 und von 1931 bis 1935 wirkte Lorenz am II. Anatomischen Institut der Universität Wien als Assistent von Ferdinand Hochstetter, unter dessen Leitung sich das Institut zu einem Kristallisationspunkt völkisch-deutschnationaler Tendezen entwickelte.

Zur gleichen Zeit baute Lorenz seine private zoologische Forschungsstation in Altenberg auf und promovierte 1933 mit Studien zum Vogelflug erneut an der Universität Wien zum Dr. phil. 1936 habilitierte er sich für das Fach "Zoologie mit besonderer Berücksichtigung der vergleichenden Anatomie und Tierpsychologie". Er gilt als Begründer der vergleichenden Verhaltensforschung in Österreich. Bis 1940 lehrte er als Privatdozent an der Universität Wien.

NS-Zeit

Kurz nach dem "Anschluss" 1938, den Lorenz nicht zuletzt deshalb begrüßte, weil er sich vom Nationalsozialismus größeres Interesse für seine Studien erwartete, stellte er einen Antrag auf Mitgliedschaft in der NSDAP. In diesem betonte er, dass seine wissenschaftliche Tätigkeit im Dienst der nationalsozialistischen Ideologie stehe. Er fungierte auch als Mitarbeiter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP und näherte sich in seinen Arbeiten dem rassistischen Gedankengut des Regimes an. Er propagierte eugenische Maßnahmen und unterstützte die sozialdarwinistische Anschauung einer notwendigen "natürlichen Auslese" und forderte die "Ausmerzung der mit Ausfällen behafteten Elemente". "Rassenpflege" müsse mit der "Ausmerzung ethisch Minderwertiger" einhergehen. Auch in späteren Jahren führte er Erscheinungen wie Jugendkriminalität auf "genetische Verfallserscheinungen" zurück.

1940 avancierte Konrad Lorenz ztum ordentlichen Professor für vergleichende Psychologie und Leiter des Instituts für Psychologie an der Universität Königsberg (Ostpreußen). Von 1941 bis 1944 war er als Militärarzt tätig und arbeitete an "erbbiologischen" Studien im besetzten Polen mit. 1944 geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1948 nach Österreich zurückkehrte.

Nachkriegszeit

1949 gründete der Wissenschaftler die Station für vergleichende Verhaltensforschung in Altenberg bei Greifenstein an der Donau (Niederösterreich), 1951 wurde er Leiter des Max-Planck-Instituts für Verhaltensphysiologie in Buldern/Westfalen und 1961 bis 1973 des Instituts in Seewiesen (Bayern). 1973 kehrte er nach Österreich zurück und übernahm bis 1982 die Leitung der Abteilung für Tiersoziologie des Instituts für vergleichende Verhaltensforschung der Akademie der Wissenschaften in Grünau am Almsee, anschließend bis 1989 die Leitung der Forschungsstelle für Ethologie. Lorenz hat unter anderem an Dohlen, Kolkraben und (den sein wissenschaftliches Werk dominierenden) Graugänsen Instinktverhalten und Ausdrucksbewegung, Sexual- und Aggressionsverhalten erforscht.

Er engagierte sich auch in der Österreichischen Ökologie- und (1978) in der Anti-Atom-Bewegung. Er gehörte zu den aus wissenschaftlichen Erkenntnissen überzeugten Verfechtern des Umweltschutzes. Zu seinen zahlreichen wissenschaftlichen Veröffentlichungen (zählen etwa "Das sogenannte Böse" (1963), "Über tierisches und menschliches Verhalten" (1965), "Die acht Todsünden der zivilisierten Menschheit" (1973) oder "Der Abbau des Menschlichen" (1983).

Ehrungen

Unter den zahlreichen Ehrungen sticht der Nobelpreis für Medizin (1973; geteilt mit Karl von Frisch und Nikolaus Tinbergen, Niederlande) hervor. Daneben erhielt er unter anderem den Preis der Stadt Wien für Naturwissenschaften (1959), das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse (1964) oder die Ehrenmedaille der Stadt Wien in Gold (1969). Am 18. Februar 1983 wurde Lorenz zum Ehrenbürger seiner Geburtsstadt ernannt. Von den zahlreichen Ehrendoktoraten widerrief die Universität Salzburg 2015 aufgrund seines Engagements im NS-Regime die Auszeichnung. Das nach ihm benannte Konrad-Lorenz-Institut beschäftigt sich mit vergleichender Verhaltensforschung.

Literatur

  • Uni Salzburg widerruft Ehrendoktorat für Konrad Lorenz. In: derStandard.at, 17.12.2015 [Stand: 06.03.2025]
  • Alfons Schanse: Evolutionäre Erkenntnistheorie und biologische Kulturtheorie. Konrad Lorenz unter Ideologieverdacht. Würzburg 2005
  • Klaus Taschwer / Benedikt Föger: Konrad Lorenz. Biographie. Wien: Zsolnay 2003
  • Benedikt Föger / Klaus Taschwer: Die andere Seite des Spiegels. Konrad Lorenz und der Nationalsozialismus. Wien: Czernin 2001
  • Hanns Jäger-Sunstenau: Die Ehrenbürger und Bürger ehrenhalber der Stadt Wien. Wien: Deuticke 1992 (Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, 23), S. 78
  • Franz M. Wuketits: Konrad Lorenz. Leben und Werk eines großen Naturforschers. München [u.a.]: Piper 1990
  • Antal Festetics: Konrad Lorenz. Aus der Welt des großen Naturforschers. München [u.a.]: Piper 1983
  • Max Amberg: Konrad Lorenz. Verhaltensforscher, Philosoph, Naturschützer. Greven: Kilda-Verlag 1977
  • Alec Nisbett: Konrad Lorenz. London: Dent 1976

Weblinks