Franz Paul Fiebrich
Franz Paul Fiebrich, * 9. Mai 1879 Wien 5, † 24. Februar 1935 Wien, Komponist, Chorleiter, Volkssänger, Librettist.
Biografie
Franz Paul Fiebrich kam in Margarethen als Sohn des Franz Fiebrich, Maschinenschlosser und Werkmeister, und der Rosa Fiebrich, geborene Fischer, zur Welt. Im Haus befand sich damals auch die Greißlerei seiner Großmutter. Die Familie übersiedelte bald in die Landstraßer Hauptstraße 95. Mit sechs Jahren erhielt der musikalisch begabte Knabe Klavierunterricht. Aus mangelndem Fleiß wurde dieser aber nach einem halben Jahr wieder beendet. Er spielte nun autodidaktisch und liebte Lieder und Tänze. Mit acht Jahren komponiert er den "Rosa-Walzer", den er seiner Mutter widmete.
Nach Volks- und Bürgerschule begann Fiebrich eine Gravur- und Ziseleurlehre, da er auch Talent zu Zeichnen hatte. Dennoch ließ ihn die Musik nicht los. Das Interesse an der klassischen Musik stieg. So wechselte er in die Handelsschule und besuchte die Musikschule Kaiser in der Schottenfeldgasse. Dort lernte er Gesang, Theorie und Komposition. Sein Studium finanziert er durch Auftritte als Klavierbegleiter der Volkssänger. Die Familie war inzwischen nach Dornbach in die Hernalser Hauptstraße 195 übersiedelt. In dem Haus verkehrte immer wieder auch Ludwig Gruber. Fiebrich arbeitete als Beamter bei einer Versicherungsgesellschaft, ab 1909 bei k.u.k. Südbahn. In seiner Freizeit widmete er sich aber der Musik. Zwei Jahre lang war er Kapellmeister im Dornbacher Sommertheater, später Chorleiter des Dornbacher-Neuwaldegger Männer Gesangsvereins und Organist in der Dornbacher Kirche. Er leitete auch den Männergesangsverein "Beethoven", den Hernalser Sängerbundes und den Josefstädter Männergesangsverein. In dieser Zeit widmete er sich verstärkt der Kirchenmusik, Chören und Kunstliedern. Mit seinen Chören trat er auch im Wiener Konzerthaus auf.
Seine Wienerlieder wurden zum Vorbild und gab ihm eine spezifische Richtung. Er komponierte fast 800 Lieder (darunter "Drauß't in Nußdorf', "Das silberne Kanderl", "O du lieber, alter Steffel", "Dort, wo die Geigen singen", "Das Weanalied"), Märsche, Walzer und Chöre (Fiebrich war auch Chormeister); er gab dem Wienerlied im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts vorbildhaft die spezifische Richtung. Er war auch Mitbegründer des "Vereins zur Förderung der Wiener Volkskunst". Nach ihm wurde die Fiebrichgasse benannt.
Fiebrich heiratete am 3. Februar 1907 Klara Rykl (* 22. Februar 1884) in der Dornbacher Kirche. Die beiden hatten sich bereits um das Jahr 1900 kennengelernt. Gemeinsam hatten sie einen Sohn namens Rudolf (* um 1915). Ihren Sommer verbrachten sie 1918 in der Hameaustraße 32.
Am Elisenhof, seinem ehemaligen Wohnhaus in der Ottakringer Straße 19, wo er von 1913 bis 1918 wohnte, erinnert eine Gedenktafel und eine Büste an Franz Paul Fiebrich.
Zahlreiche Notendrucke sowie vereinzelte Musikhandschriften und Korrespondenzstücke befinden sich in der Wienbibliothek im Rathaus.
Quellen
- Matricula: Taufbuch der Pfarre St. Josef zu Margarethen, Signatur: 01-057, folio 111, Nr. 577 / 254
- Matricula: Trauungsbuch der Pfarre Dornbach, Signatur: 02-07, folio 2
- Wiener Stadt- und Landesarchiv, Totenbeschreibamt, A1.6577/1935: Totenbeschaubefund, Grabanweisung: Fiebrich Franz
- Meldezettel von Franz Paul Fiebrich (WStLA, BPD Wien: Historische Meldeunterlagen, K11)
- Wienbibliothek Digital: Franz Paul Fiebrich
- Wienbibliothek digital: Partezettel
- ANNO: Franz Fiebrich zum Gedenken. In: Neues Österreich, 10.05.1949, S. 4
Literatur
- Helmut Kretschmer: Wiener Musikergedenkstätten. Wien: Jugend & Volk ²1990
- Walter Kleindel: Das große Buch der Österreicher. 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild, Namen, Daten, Fakten. Unter Mitarbeit von Hans Veigl. Wien: Kremayr & Scheriau 1987
- Felix Czeike: XVI. Ottakring. Wien [u.a.]: Jugend & Volk 1981 (Wiener Bezirkskulturführer, 16), S. 43
- Hans Hauenstein: Chronik des Wienerliedes. Klosterneuburg: Jasomirgott-Verlag 1976, S. 251
- Siegfried Lang: Almanach der Unterhaltungskomponisten des 20. Jahrhunderts. Wien: Österreichischer Komponistenbund 1974
- Amtsblatt der Stadt Wien. Wien: Stadt Wien - Presse- und Informationsdienst, 27.02.1960
- Das Jahrbuch der Wiener Gesellschaft. Biographische Beiträge zur Wiener Zeitgeschichte. Hg. von Franz Planer. Wien: F. Planer 1929
- Lebensgeschichte Franz Paul Fiebrich, April 1928, Archiv Wiener Volksliedwerk [Stand: 04.03.2025]
- Musik Austria: Franz Paul Fiebrich [Stand: 04.03.2025]
Franz Paul Fiebrich im Katalog der Wienbibliothek im Rathaus.